UVA, BMD, Bank: direkt aus Odoo statt abgetippt
Finanzamt, Steuerkanzlei und Bank sprechen jeweils ihr eigenes Format. Odoo spricht jetzt alle drei – und niemand muss mehr dolmetschen, indem er abtippt.
Die Herausforderung
Odoo Community kann buchen, aber Österreich kennt es nur halb. Die Umsatzsteuervoranmeldung wird jeden Monat aus Kennzahlen abgelesen und ins FinanzOnline-Portal getippt. Die Steuerkanzlei arbeitet mit BMD und will die Buchungen in genau dessen Format – eine Schnittstelle gibt es nicht, nur Dateien. Kontoauszüge lädt jemand aus dem Bankportal herunter und im ERP wieder hoch. Und wer von BMD zu Odoo wechseln will, merkt: Der Vollexport ist ein Binärformat, das niemand dokumentiert hat. Die Historie bleibt zurück wie ein Umzugskarton, den keiner aufbekommt.
Was wir gebaut haben
Vier Bausteine, jeder einzeln nutzbar:
- UVA: Odoo liest die österreichischen Steuerkennzeichen der Buchungen, ordnet sie den offiziellen Kennzahlen zu und baut daraus die U30-Datei für den FinanzOnline-Upload. Monat oder Quartal, Vorschau aller Kennzahlen vor dem Download; das neue BMF-Schema ab Juli 2026 wird automatisch gewählt.
- Übergabe an BMD: Buchungen, Personen- und Sachkonten gehen im Satzaufbau der BMD-Importbeschreibung an die Kanzlei – mit Steuercodes nach BMD-Liste, Kontonummern-Zuordnung, Beleg-PDFs und einer Prüfung vor dem Versand. Belege, die die Kanzlei schon gebucht hat, lassen sich ausnehmen. Der Rückweg landet als Entwurf.
- BMD-Altbestand: Wir haben das Exportformat von BMD NTCS entschlüsselt – zuerst an unserer eigenen Buchhaltung: vier Firmen, zehn Jahre. Ein Import legt Firma, Kontenplan, Partner und Buchungen in Odoo an.
- Bank: Ein eigener EBICS-Client, nur lesend, holt täglich die Kontoauszüge und alle zehn Minuten die Tagesumsätze direkt von der Bank und gleicht Zahlungen mit offenen Rechnungen ab, wenn der Treffer eindeutig ist. Einen freien, ausgereiften Client für den kommerziellen Einsatz gab es nicht. Also gibt es jetzt einen.
Für Deutschland läuft dieselbe Denkweise Richtung DATEV, für Umsteiger aus Navision als wiederholbare Datenübernahme.
Was es bringt
Die UVA ist ein Klick und ein Upload statt einer Abschreibübung. Im Probelauf mit 30 Testrechnungen stimmten Summen und Zahllast auf den Cent, die Datei war gegen das BMF-Schema gültig. Ein Jahresexport für die Kanzlei erfüllte alle 14 Regeln aus der BMD-Importbeschreibung, 883 Rechnungen kamen summengleich an. Aus dem BMD-Altbestand ließen sich alle 600 Tabellen lesen; im Pilotjahr stimmten 181 von 181 Sachkonten exakt mit den BMD-Salden. Zahlungseingänge stehen rund zehn Minuten nach der Bankbuchung im ERP.
Eine Lehre gehört dazu: Die Abholbestätigung an die Bank geht erst nach dem erfolgreichen Import hinaus. Wer sie vorher schickt, hat den Auszug quittiert und nie gesehen. Seither heilt sich der Abruf selbst.
Für wen das passt
Für österreichische Betriebe mit Odoo Community und externer Steuerkanzlei – und für alle, die BMD verlassen wollen, ohne ihre Vergangenheit dort zurückzulassen.