Der Netzplan, der sich selbst nachzeichnet
Geräte, Ports und Schaltschränke stehen im ERP – abgeglichen mit dem, was die Switches und die Steuerung gerade melden. Die Dokumentation stimmt, weil niemand sie mehr abtippen muss.
Die Herausforderung
Jeder Betrieb hat einen Netzplan. Meist ist es eine Visio-Datei, die beim letzten Umbau aufgehört hat, die Wahrheit zu sagen. Die Schaltpläne der Anlagen liegen als PDF mit ein paar hundert Seiten im Ordner, und ob ein Ventil gerade offen ist, erfährt man mit dem Multimeter. Wartung, Verantwortliche und Handbuch leben in einem dritten System. Fragt jemand „was hängt an diesem Port?“, beginnt eine Schnitzeljagd.
Was wir gebaut haben
Eine CMDB direkt im ERP: Standorte, Geräte, Schnittstellen, VLANs, Kabel und virtuelle Maschinen, verknüpft mit Anlage, Wartung und Handbuch. Gepflegt wird sie von Maschinen, nicht von Menschen:
- Server und VMs gleicht ein Job alle 30 Minuten aus dem Monitoring ab.
- Switch-Ports liest ein Abgleich jeden Morgen direkt am Switch aus: Link, Belegung, Adressen. Daraus zeichnet das ERP ein Port-Diagramm – belegt grün, frei grau – und eine Frontansicht je Switch.
- Diensthandys kommen alle 15 Minuten aus der Mobilgeräteverwaltung ins Inventar. Neue Geräte als Entwurf, verschwundene werden markiert, nie gelöscht.
- Topologien rechnet das System selbst aus den Daten aus, statt sie zu zeichnen. Ein Klick auf einen Knoten öffnet den Datensatz.
Dazu die Schicht, die sonst niemand hat: lebende Schaltpläne. Eine Pipeline liest das PDF, das ohnehin jeder Elektroplaner liefert, erkennt Bauteile, Stücklisten und Kabel und verbindet sie über die Normbezeichnung mit den Signalen der Steuerung. Im ERP wird daraus eine zoombare Schranktafel, auf der Ventile, Drücke und Durchflüsse live eingefärbt sind. Ein Prüflauf sucht im Plan nach Verdachtsstellen, etwa möglichen Kurzschlüssen – die prüft dann der Planer.
Was es bringt
Schon die erste Erhebung hat sich gelohnt: Die echte Verkabelung, aus den Adresstabellen der Switches rekonstruiert, widersprach der Doku an 22 Stellen. Heute stehen rund 200 Geräte im ERP, vom Server bis zum Drucksensor. 104 Switch-Ports melden täglich ihren Zustand. Drei Schaltschränke mit 325 Blättern sind digital, über 150 Bauteile zeigen ihren Live-Zustand, im Steuerschrank sind es sieben von zehn. Die Fehlersuche beginnt am Bildschirm statt mit dem Schraubenzieher.
Eine ehrliche Grenze: Ein grauer Port heißt nur „kein Link“. Ob dahinter ein Reservekabel liegt, weiß der Switch nicht – das bleibt Sache des Patchfelds.
Für wen das passt
Für Produktionsbetriebe und KMU mit eigenem Netz, eigenen Anlagen und einer Instandhaltung, die lieber im Plan nachschaut als im Schaltschrank. Wer das ganze Gebäude in 3D sehen will, landet beim digitalen Zwilling.